Geschichtliches

Entstehungsgeschichte

Funde im Gewann Gsaid lassen auf eine alte Siedlungsstelle aus der Jungsteinzeit schließen. Darüber hinaus deuten Fluss- und Flurnamen auf die Keltenzeit und eine Kulturschicht im Westen der Gemarkung auf das 2. Jahrhundert v. Chr. hin. An gleicher Stelle fand man auch alemannische Einzelgräber sowie Reihengräber in der Nähe des Freibades.

Aus römischer Zeit stammen Reste auf der Höhe des Gewanns "Gmäuer", welche die Schlussfolgerung auf einen Gutshof zulassen.

Aber kein Steinbeil, keinen Grabhügel oder Kastell, das noch einigermaßen erhalten gewesen wäre, fand man, nicht einmal ein Stück Mauer von der Körschburg, von wo aus die Raubritter ihre Beutezüge starteten. Als Kinder suchten wir vergebens den Eingang zum Burgverlies. Nur Scherben haben uns unsere Vorfahren hinterlassen.

Nach den Siegen über die Alemannen (500 n. Chr.) begannen die Franken mit der Christianisierung. Für den Ort begann ein Hin und Her. Er wurde verschenkt, verkauft, verscherbelt, wieder verschenkt und wieder verkauft, teils auch um den Erhalt des Seelenheils.

Der Frankenkönig schenkte die Markung einem seiner verdienten Heeresführer, dessen Nachfolger vermachten es dem Grafen Eidram. Mit diesem Grafen tauchte auch ein Herr namens "Titzo" auf - und daraus wurde Deizisau?

Eidram vermachte den Ort dem Kloster Lorsch an der Bergstraße. Dieses führte das Christentum ein. Das Kloster erfreute sich nur kurze Zeit an Deizisau - die Entfernung war zu weit. Die Lieferungen der Abgaben waren zu lange unterwegs.

So übergab das Kloster Lorsch den Ort 900 n. Chr. an Württemberg. Andere Klöster wie St. Blasien, Blaubeuren, Bebenhausen kauften sich im Ort ein. Deizisau entwickelte sich aus 2 Höfen heraus, der bekannteste ist der Widemhof, welcher in der Nähe des alten Rathauses stand.

Graf Eberhard setzte einen Ritter im Ort ein. Der Name Deizisau wird zum erstenmal in einer Urkunde des Klosters Sirnau aus dem Jahre 1268 erwähnt.

Ab dem Mittelalter waren alle Handwerkerberufe vertreten. Um 1500 hat das Katharinenhospital Esslingen den Besitz der Klöster übernommen, auch jenen vom Geschlecht Burgermaister. Das Spital war nun größter Besitzer im Dorf. Damit war Deizisau der freien Reichsstadt Esslingen unterworfen.

1532 führte der Rat der Stadt die Reformation ein.

Entsetzlich wirkten sich die Verheerungen des 30-jährigen Krieges 1618 - 1648 aus. Von 150 Einwohnern überlebten 30. Unter dem Banner der freien Reichsstadt hatten die Bauern arg zu leiden. Abgaben in Form vom Zehnten aller Erzeugnisse wurden gefordert, der mächtige Bau der "Zehntscheuer" ist Zeuge dieser Zeit.

Die Zeit der Hexenverfolgung trieb auch in Deizisau ihre Blüten (Neckname "Hexenfanger"). Die Legende erzählt, es sei einmal eine Frau als Hexe angeklagt worden, weil sie beim Gebet ihren Mund nicht aufgemacht habe wie andere Weiber.

"Do frog i mi ihr liabe Leut' wie viel Hexa gäb's do heit?"

Die Frau wurde letztlich vom Gericht in Karlsruhe freigesprochen.

Durch den ständigen Wechsel der Besitzer von Deizisau mussten sich die Bürger immer wieder einem neuen Herrn unterwerfen und sich wehren. - Sie taten es, mutig und entschieden - :

Die Lage des Ortes am Nordhang war für den Weinbau ungünstig, es gedeihte nur ein "Semsagräbsler" und die Bauern hätten gerne einen Wengert am Südhang gehabt. In einem Husarenstreich rodeten sie anno 1700 in kürzester Zeit ein von Plochingen zur Nutzung erhaltenes verwahrlostes Waldstück und legten einen Wengert an. Die Plochinger verlangten nun einen beträchtlichen Zins. Die Deizisauer aber waren schlechte Zahler. So kam es zum Nothaldenkrieg und sie raubten sich gegenseitig das Vieh.

Als die Deizisauerin Grete Zink in der Plochinger Kelter ihre Trauben mosten wollte, wollte ihr der dortige Keltermeister ein Quantum abnehmen. Darauf zog die Grete ihr langes Brotmesser aus dem Vesperkorb und verteidigte ihren Rebensaft. Sie war die erste Emanze von Deizisau!

1806 wurde mit der Durchsetzung der letztlich von Napoleon verfügten Einziehung jeglichen kirchlichen Besitzes des Spital in Esslingen aufgelöst. Freie Reichsstädte gab es nicht mehr. Deizisau wurde wieder württembergisch.

Es war wie eine Befreiung.

Im 19. Jahrhundert sowie nach dem 1. Weltkrieg sind viele Bürger wegen Hunger, Armut, Inflation nach Russland und Amerika ausgewandert. Die zwei Weltkriege haben auch in Deizisau ihre Spuren hinterlassen. Die Ehrenmale und die Gräber von Gefallenen sollen Mahnung für alle Zeiten sein.

 

 

Neuzeit

Das Ende des 2. Weltkrieges brachte Hunderte von Vertriebenen nach Deizisau. Neben der sozialen Not herrschte vor allem Wohnungsmangel. Durch gemeinsames Handanlegen der Alt- und Neubürger und einer klugen Wohnbaupolitik von Seiten der Gemeindeverwaltung konnten nach 1948 viele Bürger zu einem eigenen Häusle kommen.

Und kennt man das Auf und Ab, Hin und Her in der Geschichte von Deizisau, so ist es verständlich, dass sich die Gemeinde nicht umsonst bei der Gebietsreform 1972 mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für ihre Selbständigkeit einsetzte. Sie wollte nicht noch einmal unter die Fittiche von Esslingen kommen. Unter dem Motto: "Pfeifadeckel, en alta Hond en am Grädda" und der Durchsetzungskraft ihres damaligen Bürgermeisters Ertinger haben sie es geschafft - Deizisau ist selbständig geblieben.

Deizisau entwickelte sich nun vom einstigen Bauerndorf zu einer Industriegemeinde. 1945 hatte der Ort ca. 1.200 Einwohner, dem gegenüber stehen heute ca. 6.600 Bürgerinnen und Bürger.

Früher gab es ganze Straßenzüge, wo bei jedem Haus eine Miste dampfte. Heute gedeihen an diesen Stellen Blumenbeete.

Industriebetriebe wurden angesiedelt und die B 10 sorgt für eine moderne Verkehrsanbindung, so dass man heute fast allen Einwohnern auch einen Arbeitsplatz anbieten kann.

Die Gemeinde verfügt über eine Gemeinschaftsschule, eine Gemeinde- bzw. Festhalle, ein Feuerwehrmagazin und eine für alle Ansprüche genügende Sport- und Übungshalle mit Fußballfeld und Leichtathletikanlage sowie auf der "Hinteren Halde" eine Sportanlage mit Rasen- und Kunstrasenspielfeld und eine Tennishalle mit 4 Tennisplätzen.

Das beheizte Freibad, 1938 als erstes im Kreis Esslingen erbaut, ist vom 1.Mai bis 30.September geöffnet und erfreut sich großer Beliebtheit, besonders auch bei den Hausfrauen, welche schon morgens um 9.00 Uhr wie eine Traube am Gatter stehen, nach dem Motto: "Woischt du em neune noid was kocha, gang ens Schwemmbad, dort wird's besprocha!"

Vom Talhang grüßen die Evangelische Kirche aus dem Jahre 1495 und die Katholische Kirche, erbaut 1960.

Durch die Ortskernsanierung entstand in Deizisau eine ganz neue Ortsmitte. Neben dem neu erbauten Rathaus mit Bücherei und Cafe und einer Seniorenwohnanlage wurden einige Fachwerkhäuser restauriert, die Straßenzüge saniert und Blumenrabatte angelegt. Und natürlich darf unsere "Zehntscheuer" nicht vergessen werden. Aus dem denkmalgeschützten Gebäude ist eine schmucke Begegnungsstätte für Alt und Jung entstanden, die mit seinem vielseitigen Programm nicht mehr aus unserer Gemeinde wegzudenken ist. Zu guter Letzt ist da noch die Kelter. Einst unscheinbares, historisches Gebäude, jetzt Schmuckstück mit Charme und Atmosphäre. Aufwändig und durchdacht renoviert bietet sie Raum für private Feste, kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen, Tagungen und vieles mehr.

Ein vielseitiges kulturelles und gesellschaftliches Angebot zeugt vom bürgerschaftlichen Gemeinsinn, der sich den Fragen der Zukunft ebenso widmet wie der Heimatpflege. Das Vereinsleben wird bei uns groß geschrieben.

Der Gemeindewald und Wanderwege sorgen für Erholungsmöglichkeiten. Ebenso bietet der Ort eine gut geführte Gastronomie.

"Vom Neckarknia em Osta, bis zur Körsch em Westa
zeigt sich onser Deizisau vom ällerbesta,
von der Talsohla bis zor Hongerlenda in dr Höh'
ist onser Dörfle mai wia schee.
Drom isch es au em Musterländle wohlbekannt,
als eine Perle em Schwobaland."

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